Der Fall PROKON

Seit April 2003 gibt die PROKON Unternehmensgruppe zur Finanzierung ihrer "nachhaltigen" Projekte Genussrechte mit einer jährlichen Rendite von bis zu 8 % aus. Die PROKON Unternehmensgruppe, die im Bereich Erneuerbare Energien tätig ist, hat etwa 1,4 Milliarden Euro in Genussrechten von rund 75.000 Kleinanlegern eingesammelt.

Mit moralischen Erwägungen für eine bessere Zukunft wurden Anlegern die Genussrechte angeboten und als Kapitalanlage angeboten. Das Engagement der Anleger erfolgte unter Inkaufnahme erheblicher Risiken für das investierte Kapital. Bei den PROKON-Genussscheinen heißt es in den Bedingungen, dass der Rückzahlungsanspruch der Genussrechtsinhaber nur gegenüber dem des Stammkapitals vorrangig ist. Alle anderen nicht nachrangigen Ansprüche von Gläubigern haben Vorrang. Die Anleger bangen nun um ihr investiertes Kapital.

Mehrfach gab es in der Vergangenheit bereits kritische Stimmen zu den PROKON-Genussrechten und dem Unternehmensmodell. Vielfach wurde die Intransparenz bemängelt. Nun sind die ersten Anleger aufgewacht, nachdem die Unternehmensentwicklung im vergangenen Jahr Zweifel an der künftigen Rendite schürte und haben für sich Konsequenzen gezogen.

PROKON hat prompt reagiert. In einem Schreiben an die Anleger hatte PROKON vor wenigen Tagen erklärt, eine Planinsolvenz lasse sich nur beim Erhalt von mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals verhindern. Es sollen bereits Genussrechte mit einem Volumen von über 200 Millionen Euro gekündigt worden sein.

PROKON skizziert den Anlegern ein Schreckensszenario. Eine Planinsolvenz könne nur verhindert werden, wenn PROKON für mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals die Zusage erhalte, dass die Genussrechtsinhaber dem Unternehmen Ihr Kapital mindestens bis zum 31. Oktober 2014 nicht entziehen.

Das Unternehmen schiebt den Anlegern den "Schwarzen Peter" zu und übt auf der moralischen Schiene Druck auf die Anleger aus, die Genussrechte nicht zu kündigen oder die Kündigung gar zurückzunehmen. Andernfalls wären diejenigen Genussrechtsinhaber, die ihre Genussrechte gekündigt haben, letztendlich für die Insolvenz verantwortlich. Die Anleger sollen sogar auf ihr vertragliches Kündigungsrecht verzichten und am besten gleich auch auf die Zinszahlung.

Inzwischen soll auch die Lübecker Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen wegen des Verdachtes des Betruges und weiterer Wirtschaftsdelikte ermitteln. Mehr Informationen: www.prokon-anlagen.de.